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Industriedenkmal Zuckerfabrik Mühlbach

Adresse

Am Mühlbach 30
04808 Wurzen OT Mühlbach, Agrargut Jung

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Europas älteste erhaltene Zuckerfabrik steht in Mühlbach. Das gerettete Industriedenkmal kann vom benachbarten Radwander-Rastplatz aus bestaunt werden. Der Schornstein dient als Landmarke zwischen Wurzen und Kühren. Der Radwanderrastplatz Mühlbach ist Teil des Radwanderweges Wurzener Land Radroute. Mühlbach liegt mit dem Rastplatz am Radwanderweg Wurzen – Kühren – Oschatz.

Copyright: Viola Heß, viola.hess@a-hm.de

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Die Rübenzuckergewinnung, die im späten 18. Jahrhundert startete, erhielt durch die von Napoleon verfügte Kontinentalsperre (1806–1814) Unterstützung. Mit der Blockade englischer Waren verteuerte sich auch der Rohrzucker spürbar – der Aufbau einer heimischen Erzeugung lag nun auch in staatlichem Interesse.

Unter diesen Rahmenbedingungen gründete Friedrich von Lorenz (1777–1848) seine Zuckerfabrik in Mühlbach. Lorenz war seit 1810 Schwiegersohn des Rübenzuckerpioniers Moritz von Koppy (1749–1814). Auf seinem Gut Krain in Niederschlesien war Koppy direkter Nachbar Achards und nahm regen Anteil an den Versuchen des Rübenzuckerpioniers. Er errichtete eine nach Achards in seinem Hauptwerk „Die europäische Zuckerfabrikation aus Runkelrüben“ entworfene Musterfabrik, außerdem machten er und sein Sohn sich als Zuckerrübenzüchter einen Namen.

Mit diesen Erfahrungen errichtete Lorenz nun auf seinem Rittergut in Mühlbach bei Wurzen eine Zuckerfabrik: zwei große Fabrikgebäude und zwei kleinere Bauwerke. Für die damalige Zeit hatte sie eine beachtliche Größe, bei optimaler Rübenversorgung hätten 40.000 bis 80.000 Zentner Zuckerrüben im Jahr verarbeitet werden können.

Die Gründung dieser einzigen sächsischen Rübenzuckerfabrik in jener Zeit ermöglichten ein zinsgünstiger staatlicher Kredit und die Steuerbefreiung für den hier gewonnenen Rübenzucker. Mit überschaubarem Risiko für den sächsischen Staat entstand so in Mühlbach eine Versuchsfabrik, die Interessierten offenstehen und zu weiteren Gründungen anregen sollte. Von 1812 bis 1817 wurde hier aus Rüben Zucker gewonnen. Das Ende der Kontinentalsperre bedeutete auch in Mühlbach das Ende der ersten Phase der Zuckerrübenindustrie.

Die Gebäude wurden bis zur Bodenreform und Enteignung des Betriebes 1945 unterschiedlich genutzt, zeitweise nochmals zur Zuckerherstellung, oft als Brennerei oder auch als Lager.

1992 erwarb die Familie Dieter Jung das Gut zurück und baute gemeinsam mit der Familie Thomas Jung einen landwirtschaftlichen Betrieb auf.

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